Der Zeller "Zamba" (© Narrenzunft Zell am Harmersbach e.V.)

“ZAMBA” – Für die Wolfacher Festspieltage erwachen sogar die Puppen zum Leben

Bassgeige, Gitarre, Geige und Panflöte – wenn Sie diese vier Instrumente bei den Wolfacher Festspieltagen hören, dann steuern Sie direkt auf eine Attraktion der besonderen Art zu. Und zwar den Zeller „Zamba“!

Um Missverständnisse zu vermeiden: Der „Zamba“ ist kein Festspiel, sondern eine Art Musikautomat, der eigens für die Wolfacher Fasnacht „lebendig“ wird.

Ursprünglich handelt es sich hierbei um eine Pfeifenorgel, die der Wirt Gustav Kern (Badischer Hof, Zell) 1897 von der Firma Weber in Waldkirch angeschafft hat, um mehr Besucher in seine Wirtschaft zu locken. Auf dieser war eine Vier-Mann-Musikkapelle, bestehend aus beweglichen Puppen, angebracht. Im Oktober 1898 wurde der „Zamba“ geliefert und aufgestellt. Allerdings gab es damals noch keinen Stromanschluss und so musste die Orgel mit einer Handkurbel über einen Kompressor mit Luft versorgt werden, um die Puppen in Bewegung zu bringen. Fortan war der „Zamba“ die Sensation in Zell und die Investition von 6000 Goldmark machte sich für den Wirt bezahlt. Im Jahre 1900 bekam der „Badische Hof“ einen Stromanschluss und so wurde ein Elektromotor eingebaut. Durch den Einwurf von Pfennigmünzen setzte sich die Pfeifenorgel samt Musiker fortan in Bewegung.

Das Quartett spielt Bassgeige, Gitarre, Geige und Panflöte und wurde 1901 um vier Tanzpaare erweitert. So erhielt der „Zamba“ sein heutiges Aussehen, das im Storchenturm-Museum in Zell immer noch in Augenschein genommen werden kann.

Der Musikautomat, soll bereits am 1. Mai 1898 zu seinem Namen „Zamba“ gekommen sein. Eine Anzeige in der Schwarzwälder Post (Zeller Blättle) lud zu einem Vortrag im besagten Gasthaus ein, der von den Sitten und Gebräuchen aus der Heimatstadt des Referenten – einem „Neger“ aus Kamerun namens Milo – handelte. Der Referent erinnerte zahlreiche Besucher  an den dunkelhäutigen Gitarristen des Orchestrions, der anscheinend genauso mit den Augen gerollt hat wie der Referent. Eine weitere, eher unwahrscheinliche Version zur Namensgebung ergibt sich aus den insgesamt zwölf Figuren, die mit ihrem Aussehen an eine Szene aus der romantischen Oper „Zampa“ von Louis Ferdinand Herold erinnern sollen. Auf einer der Walzen der Orgel, soll ein Teil der Ouvertüre aus dieser Oper sein. Allerdings wurden die Tanzpaare nur zufällig hinzugefügt.[1]

Beim Zunftabend 1984 wurde der „Zamba“ vom damaligen Narrenrat originalgetreu dargestellt. Die Kostüme der Musikanten sind im Eigentum des jeweiligen Musikers. Zu besonderen Anlässen erwachen die „Puppen“ immer wieder zum Leben. Für die Narrenzunft Zell am Harmersbach ist es eine große Ehre bei den „Närrischen Festspieltagen“ in Wolfach die Zuschauer mit einigen Aufführungen zu erfreuen.



[1] Schreiber, Martin: Der Zamba. Zell a. H., Verlag Josef Heisch, S.7 ff