“Michel auf dem Standesamt”  (von Josef Klaiber)
Die Narrenzunft Nautle Burladingen e.V. wird das Fasnetsspiel am Samstag, den 17. Januar um 19:00 Uhr auf der Festspielbühne vor dem Rathaus aufführen.

Die Geschichte des Burladinger Fasnetsspiels
Bereits im 19. Jahrhundert wurden in Burladingen so genannte Fasnetsspiele aufgeführt, bei denen auf einem Wagen Theaterstücke unter freiem Himmel aufgeführt wurden. Diese Tradition setzte sich zwischen den Weltkriegen fort. Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurde, allerdings dann häufig im Lindensaal, weiter Theater gespielt. Im Laufe der fünfziger Jahre schlief die Tradition des Fasnetsspiels aber dann gänzlich ein. Zahlreiche alte Bilder, die auch in der Ausstellung „Alte Burladinger Fasnet“ im Jubiläumsjahr 2005 gezeigt wurden, zeugen von dieser alten Tradition, die bei der Bevölkerung regen Zuspruch fand.

Die Narrenzunft Nautle ließ diese Tradition wieder aufleben um der Burladinger Straßenfasnet ein kleines Stück ihres alten Gesichtes wieder zu geben. Aus diesem Grund wurde am 11. Februar 2006 nach langjähriger Unterbrechung, wieder ein Fasnetsspiel auf einem Wagen in der Josengasse neben der Zunftstube aufgeführt. Auch alte Bräuche unterliegen dem Lauf der Zeit und so hat sich auch die Tradition des Fasnetsspiels im Laufe der Jahre verändert. Entsprechend den Möglichkeiten wurde recherchiert, wurden alte Fotografien gesammelt, die die Geschichte wieder lebendig werden lassen.

Josef Klaiber

Aus der Feder von Josef Klaiber

Lange bevor viele überhaupt an die Fasnet dachten, trafen sich ein paar Männer um ein Fasnetsspiel zu schreiben. Während an der eigentlichen Fasnet die Linde die „Heimat“ der Fasnetsspieler war, trafen sich die Schreiber im Fass in der Ledergasse. Dies waren viele Jahre lang Josef Klaiber aus dessen Feder viele Fasnetsspiele stammen, Melchior Scheu der auch Läufersprüche schrieb, Phillip Mauz und Sebastian Scheu. In einer privaten Stube neben der eigentlichen Gaststätte Fass entstanden die lustigen Fasnetsspiele.

Zu spät kommen kostete zehn Pfennig

Kaum war Weihnachten vorbei, wurde in Burladingen ein mal wöchentlich mit den Proben für das Fasnetsspiel begonnen. Die Theaterspieler die nach 20 Uhr zur Probe in die Linde kamen, mussten zehn Pfennig in eine Kasse zahlen. Ausschlaggebend war dabei das Schulglöckchen. Ging es knapp zu, dann wurde auch mal von innen die Türschnalle nach oben gedrückt, um ein Verspäten bewusst herbeizuführen. Am Abend des Fasnetssamstag fand die Hauptprobe in der Gaststätte Linde statt, die meist von den älteren Einwohnern des Dorfes besucht wurde. Zu diesem Zweck wurde ein Gestell gebaut das die Ausmaße der Hütte simulierte.

Das „Mensch“ musste dem Fasnetsspieler einen Kranz binden

In den meisten Jahren wurde der Wagen am Fasnetssamstag vor der Linde aufgebaut. Wer während des Wagenaufbaus am Samstag vor der Linde vorbeilief und kein Geld gab, dem wurden Hut oder Schal genommen. Die einbehaltenen „Pfandstücke“ wurden in der Linde gesammelt und konnten nach der Fasnet meist gegen 20 Pfennig wieder ausgelöst werden. Bei dem Wagen handelte es sich oft um einen Pritschenwagen des Burladinger „Güterbeförderers“, der von zwei Rössern gezogen wurde. Um den Wagen auf die richtige Größe zu bringen, wurden Balken der Breite nach auf den Wagen gelegt und mit Brettern bedeckt. Der Wagen wurde mit Tannenreis und so genannten „Huda“ von Schafpferchen rundherum verkleidet. Auf dem hinteren Teil des Wagens befand sich eine Hütte aus Stroh in der sich die Akteure teilweise aufhielten. Von dort kamen sie auf die Bühne und verließen sie auch wieder. Wenn ein Spieler längere Zeit keinen Einsatz hatte, konnte er die Hütte über eine rückseitige Treppe verlassen und selbst dem Fasnetsspiel zuschauen. Das Dach war in drei Lagen mit Stroh eingedeckt, auf dem Dach der Hütte waren meist zwei kleine Tannen angebracht.

Jeder Mitspieler musste einen Kranz bringen der meist auf dem Dach der Hütte, aber auch an der Front befestigt wurde. Die Bühnendekoration fiel spärlich aus. Der Kranz wurde von der jeweiligen  Freundin der Fasnetsspieler angefertigt. Wer keine Freundin hatte, musste sich den Kranz von jemand anders fertigen lassen. Der Kranz hatte etwa einen Durchmesser von 40 bis 50 Zentimeter und war zirka fünf Zentimeter dick. Oft wurden Fassringe genommen die mit Papier umwickelt wurden. Anschließend wurden rote und weiße Papierrosen angebracht. Sowohl die Bäumchen als auch die Kränze hatten nur den einen Sinn, nämlich die Hütte zu verzieren.

„D’Hauzegscheke däte mr glei mitneamma“

Am Morgen des Fasnetsmontag zogen meist sechs Paare als Braut und Bräutigam verkleidet durch die Straßen. Auch die (schwarze) Braut wurde stets von einem Mann gespielt. Beim so genannten „Hauzeglada“ wurde zu einer Hochzeit eingeladen, indirekt aber auf das nachmittägliche Fasnetsspiel vor dem Rathaus hingewiesen: „Miar wette zor Haozeg eilada, kommet au heit Middag am zwoi as Rothaus, d’Hauzegscheke dätemer glei mit neamma“.  Die Hochzeitlader erhielten in der Regel 50 Pfennig. Kamen sie nicht vorbei, waren die Anwohner zum Teil gekränkt. Um zwölf Uhr war das Hochzeitladen beendet, am Nachmittag ging es dann zum Fasnetsspiel.

Oft wurden am Morgen auch Schnäpschen mit auf den Weg gegeben. Zumindest einmal, so ist überliefert, war es wohl doch etwas zuviel des Guten. Ein Fahrer des Fasnetswagens bediente scheinbar die Zügel falsch, und fuhr gegen einen Telegrafenmasten, woraufhin der Wagen erst repariert werden musste. Immer wieder gab es auch Eier und Rauchfleisch was über die Fasnet hinweg in der Linde verspeist wurde, da die Fasnetsspieler ja bekanntermaßen nicht mehr oft zu Hause waren. Die Straßen wurden von einem Verantwortlichen eingeteilt. In den 20er Jahren und darüber hinaus war dies Josef Klaiber. Streit gab es dabei auch hin und wieder, wer denn nun die besten Straßen erhalten solle, wo etwa der Bürgermeister, Fabrikanten oder andere honorige Bürger wohnten. Das Geld wurde vom jeweils Verantwortlichen eingesammelt und später wieder gerecht zugeteilt.

Das Fasnetsspiel war reine MännersacheFasnetsspiel-Gruppe 1956

Am Fasnetsmontag wurde vor dem Rathaus gespielt, am Dienstag im Pfarrhof.

Für eine Weile, vermutlich später, wurde Montags vor der Linde und Dienstags vor dem Hagenstall gespielt. Das Fasnetsspiel dauerte etwa von 14 bis 16 Uhr und wurde mit einer Schelle aus der Hütte heraus eingeläutet. In der Pause spielte der Musikverein auf. Während des Spiels hielten sich die Musikanten meist in einer der damals zahlreichen Wirtschaften auf. Eine Besonderheit des Burladinger Fasnetsspiels war es, dass nur Männer mitspielten. Auch Frauenrollen wurden von Männern übernommen. Es waren meist lustige Bauernstücke die zur Aufführung kamen, aber auch alpenländische Bühnenstücke in denen es oft um die Liebe ging. Häufig spielten Uniformen eine Rolle wie etwa ein Polizist. Aber auch Wilddiebe waren häufigere Charaktere. Zumeist spielten etwa acht bis zehn Personen mit.

Traditionell wurde nach dem Fasnetsspiel ein Foto von allen Akteuren gemacht, als das Publikum bereits weg war. Der Läufer posierte meist in der Mitte etwas erhaben, vorne lagen die vier Kassenbuben auf dem Boden. Die meisten erhaltenen Bilder stammen von Alex Mühlhansel. Die Theaterspieler gingen anschließend in die Linde, aber auch sonst waren die Wirtschaften voll. Später kam hinzu, dass Vereine an den Abenden nach dem Fasnetsspiel ein „Preismaschgera“ im damaligen „Reichsadler“ durchführten, bei dem die besten Kostüme prämiert wurden. Eine gewisse Zeit lang wurde am Aschermittwoch Fleisch und Wurst gesammelt. Das Gesammelte wurde am darauf folgenden Donnerstag oder auch am Freitag in der Linde gegessen. Maria Graf geborene Stump, die Mutter des letzten Lindenwirtes Albert Graf, kochte dazu Kraut.

Über einen nicht näher bekannten Zeitraum hinweg sollen auch kürzere, etwa 15minütige Stücke an wechselnden Standorten am Fasnetssonntag aufgeführt worden sein. So vor der Linde, dem Zoller, dem Reichsadler und beim heutigen Kreisverkehr. Der Läufer eröffnete das Fasnetsspiel und seine letzte Anekdote wurde von drei bis fünf Akteuren nachgespielt. Viele Besucher seien damals dem Wagen nachgelaufen um das Fasnetsspiel ein weiteres mal zu sehen.

Wer nicht bezahlt braucht  auch nichts hören

Auch die Kassenträger erhielten beim Hochzeitsladen eine zugeteilte Straße, die jedoch nicht so lukrativ war.  Die Kassenbüble waren etwa 15 bis 16 Jahre alt, trugen helle hoch gestülpte Hosen, da man sich damals Kniebundhosen nicht leisten konnte. Unten an der Hose wurde ein buntes Band angebracht. An einem gewöhnlichen Hut wurden ein rotes Band und ein Reservistenstrauß befestigt.

Weiße Strümpfe verliehen letztlich ein Aussehen ähnlich einer Tiroler Tracht. Während der Aufführung liefen die vier Kassenbuben umher und sammelten mit ihren viereckigen Holzkisten Geld. Normalerweise gab man nur wenige Pfennige. Wollte einer nicht zahlen, wurde vor diesem mit den Holzkisten geklappert, dass er nicht mehr viel vom Theaterstück verstand. Erst als der Betroffene etwas in die Holzkiste warf, zog der Kassenbub weiter.

Der Läufer sammelte Geld in der Schnupftabakdose

Zu Beginn des Fasnetsspiels berichtete der Läufer, die Burladinger Traditionsfigur, aus dem Dorfgeschehen. Doch auch das variierte im Lauf der Jahre. So erzählte eine zeitlang der Läufer in den Pausen von den besonders lustigen Ereignissen und nach dem Bauernstück wurde noch ein lustiger Einakter von etwa 20 Minuten Länge durch die selben Spieler aufgeführt. Der Läufer berichtete davon, wenn etwa jemandem der Hausschlüssel in den Bach gefallen oder einem der Heuwagen umgefallen war. Die Geschichte war auf Papier geschrieben und zu einer drei bis vier Meter langen Rolle zusammengeklebt die der Läufer über den Wagen hinunterhängen ließ. Und so verkündete er etwa: „I hau no an Meter“. Die Stellung des Läufers wurde oft in der Familie weitergegeben vom Bruder oder vom Vater. Während des Theaters ging der Läufer mit der leeren Schnupftabakdose durchs Publikum und fragte: „Wid au amol schnupfa?“ Das war eine Aufforderung Geld in die leere Schnupftabakdose zu legen. Alles in allem war es ein einträgliches Geschäft für Läufer und Spieler, da sie das ersammelte Geld behalten durften.

In den fünfziger Jahren schlief der Brauch ein

Wann die ersten oder letzten Spiele vor und nach den Kriegen stattfanden ist nicht genau überliefert. Das erste Fasnetsspiel nach dem ersten Weltkrieg wurde 1924 wieder aufgeführt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde zwar auch noch auf dem Wagen gespielt, aber nur dann, wenn das Wetter mitmachte. Bei schlechtem Wetter kam das Fasnetsspiel am Montag und am Dienstag im Lindensaal zur Aufführung. Der Wagen war dann nur beim sonntäglichen Umzug zu sehen, bei dem die Akteure mit fuhren. Am Morgen des Rosenmontag zogen die so genannten Fasnetsbutzen beim Hochzeitladen von Haus zu Haus. Im Jahre 1951 wurde das vom damals bereits verstorbenen Josef Klaiber verfasste Lustspiel „Dienstmann Nr. 24“ oder „Wer’s Glück hat führt d’Braut heim“ aufgeführt.

Am Fasnetsmontag und Dienstag des Jahres 1952 jeweils um 13.11 Uhr wurde das Fasnetsspiel „Professor Schnäcke in der Sommerfrische“ oder auch „Daxhannes der Wilddieb“ von Josef Klaiber gespielt. Anschließend fand der so genannte „Backfischball“ statt. Am 16. und 17. Februar 1953 wurde Kuvege oder Hansjörg wird Millionär unter der Leitung von Josef Schülzle gespielt. Erstmals handelte es sich um ein bei der Laienspielberatungsstelle Rottenburg gekauftes Theaterstück. Am Montag trafen sich die Fasnetsspieler um 13 Uhr im Waldhorn am Dienstag zur selben Zeit in der Rose. Elferrat und Fasnetsspieler arbeiteten in jener Zeit eng zusammen. So stellten die Fasnetsspieler bei der Fasnetseröffnung am Donnerstag die Bürgerwehr. Beim Hochzeitsladen gesammelter Speck und Eier wurden abschließend am Aschermittwoch in der Linde verzehrt.