Die Ausstellung *(beendet)
Das Museum im Schloss ist bis zum 22.02.2015 jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderöffnungszeiten gibt es während der Närrischen Festspieltage am 17. und 18. Februar 2015 (von 10 bis 17 Uhr). 

s´goht degege!

 

Der Narrogeist residiert jetzt im Wolfacher Schloss

Kultur im Schloss eröffnet Ausstellung „S’ goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet”

Völlig auf den Kopf gestellt hat der Verein Kultur im Schloss Wolfach das Museum im Fürstenberger Schloss für die Sonderausstellung „S’ goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet”, die ab Samstag, 15. November 2014 für alle Besucher eröffnet ist. Die Wolfacher werden ihr Museum nicht wiedererkennen, wenn sie das Fasnets-Wunderland betreten. Selbst der ehrwürdige Hungerturm wird närrisch beseelt.

Plakat Kultur im Schloss

Mit dieser bisher größten Sonderausstellung in der Vereinsgeschichte erweist der Verein Kultur im Schloss Wolfach der Freien Narrenzunft Wolfach zum Jubiläum 2015 seine Reverenz.  Bekanntlich finden vom 16. bis 18. Januar 2015 die Närrischen Festspieltage mit vielen Gastzünften zum 200-jährigen Bestehen der Zunft statt.

Erstmals setzen die Ausstellungsmacher auch multimediale Medien ein. An Bildschirmen (mit Kopfhörern) werden alte und neue Filme über die Wolfacher Fasnet gezeigt. Im Labyrinth der Schnurranten gibt es Audio-Stationen. Dort gibt es ein Hör-Wiedererleben mit berühmten Schnurranten, beispielsweise mit „Käs und Bäs” und „Dick und Doof”. Und in der Flößerstube wird Horst Scharfenbergs Spielfilm von 1963 über die Wolfacher Fasnet (mit Altweibermühle) gezeigt.

Mit der Ausstellung will der Verein vor allem der kreativen Phantasie der Wolfacher Narren ein Denkmal setzen. Gezeigt wird mit dem Blick hinter die Kulissen, mit welchem Ideenreichtum die verschiedensten Gruppen alljährlich neue Themen für die Bälle, fürs Schnurren, für Zunftabend, Zunftball und Festspiel umsetzen.

Seit Juli war eine Gruppe von rund 30 Vereinsmitgliedern unter der Leitung der beiden Vorsitzenden Christian Oberfell und Bärbel Schmider mit der Sonderausstellung beschäftigt. Während die Bautruppe das Museum in Labyrinth, Tunnelgang, und Stuben umgebaut hat, wurde das Interieur in der Nähstube und im Atelier kreiert. Gleichzeitig wurden über 100 Wolfacher Fasnetsgruppen aus den unterschiedlichsten Bereichen angesprochen und um Exponate gebeten und tausende Kopien historischer und aktueller Fotos in Auftrag gegeben. Wiederbelebt wurden auch zwei Tiere, die zur einstigen „Menagerie” der Narrenzunft gehörten und beim Brand des alten Rathauses 1892 in Flammen aufgegangen waren.

Natürlich werden auch die kostbaren historischen Exponate aus dem Bestand des Museums und der Freien Narrenzunft Wolfach gezeigt, die den Blick in die Vergangenheit ermöglichen und einen Eindruck davon wiedergeben, wie die Altvorderen Fasnet gefeiert haben.

Die Besucher dürfen aber nicht nur sehen, hören und fühlen, sie sollen auch Mitmachen: närrische Kopfbedeckungen anprobieren, sich schminken oder in der winzigen – der alten Schlosshallenbar nachempfundenen- Barecke ein „Piccolöchen” ordern. In der Kinderecke und im Hungerturm warten zwei besondere Überraschungen auf die Gäste. Ferner können die Besucher an einer Abstimmung darüber teilnehmen, wie der Zunftabend 2015 gestaltet werden soll.

Die Ausstellung „S´ goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet” dauert vom Samstag, 15. November 2014 bis zum 22. Februar 2015. Sie ist jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Auch am 1. Januar ist die Ausstellung zu sehen. Sonderöffnungszeiten gibt es während der Festspieltage am 17. und 18. Januar 2015. Dann wird bereits um 10 Uhr das Museum offen sein. Der Eintritt kostet für alle drei Euro. Kinder bis 14 Jahre sind frei. Eine Dauerkarte gibt es für zehn Euro.

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Weitere Bilder der Ausstellung gibt es in unserem Bilder Album 2014 auf www.narro-wolfach.de – oder direkt hier klicken.


Wissenswertes zur Ausstellung
(Texte und Fotos: Margarete Dieterle)

Narrogeist geistert im Hungerturm

Der Narrogeist

„S’ goht degege“ – ein Besuchermagnet im Museum

Wolfach (die). „Komm’, komm’ rie, ‘s’isch nit gfährlich“ lockt eine Stimme die Besucher der Sonderausstellung „S’goht dagege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet“ in den Hungerturm.     Ein geheimnisvolles Licht erhellt den mit Spinnhuddeln und anderen Raritäten zur Rumpelkammer umfunktionierten Kerker, wo der Unbekannte den Narrogeist sucht und aufstöbert. Mit einem Knall öffnet sich ein Fasnetsschrank und der Narrogeist erscheint im Schein einer Flamme und einer Wohlauflaterne, begleitet natürlich vom lauten Jauchzer des Sprechers und dem Michelesmarsch. „Mir seh’n uns nochher uff de Elfemess“, wird der Gast aus dem Hungerturm verabschiedet.

Der Hungerturm ist nur einer der Höhepunkte für Groß und Klein, aber einer der spektakulärsten und der technisch aufwendigste. Hier haben sich der Wolfacher Elektronikingenieur und Schnurrant Bruno Heil und sein Assistent Narrenmusiker Benni Bachlmayr selbst übertroffen. Stundenlang haben sie an den Abenden vor der Eröffnung die Licht-, Ton- und Bewegungseffekte ausgetüffelt und aufeinander abgestimmt. Der Narrogeist selbst ist übrigens eine der wunderschönen Kreationen von Bärbel Schmider.

Schon das erste Besucherwochenende war überaus erfolgreich. Zahlreiche Wolfacher und auch Gäste, unter ihnen viele Kinder, haben die Ausstellung gesehen und waren hellauf begeistert.

Menagerie wieder auferstanden

Der Elefant

Vogel Strauß und Elefant in der Fasnets-Austellung

Wolfach (die). In der großen Sonderausstellung „S’goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet“  begegnen die Besucher im Wolfacher Museum zwei Tiergestalten, die im 19. Jahrhundert zur sogenannten Menagerie der Freien Narrenzunft gehörten: Der Vogel Strauß und der afrikanische Elefant. Beim großen Brand, dem 1892 das alte Rathaus völlig zum Opfer fiel, verlor die Narrenzunft sämtliche Menagerie-Tiere. Sie waren in der Zunftkammer im Dachgeschoss des Gebäudes untergebracht.

Weil im Mittelpunkt des Wolfacher Zunftjubiläums vom 16. bis 18. Januar 2015 die Tradition der Wolfacher Fasnets-Festspiele im Mittelpunkt stehen, hat der Verein Kultur im Schloss Wolfach für die Sonderausstellung in Anlehnung an diese Menagerie zwwei Tiere wieder auferstehen lassen, die einstens eine so große Festspielrolle gespielt hatten. Im „Circus Cervantes“ von  1884, im Spiel „Schonko am Kongo in Klein-Poppo“ von 1885 und im „Krautkopfhausener Jahrmarkt“ von 1881 spielten die Tiere mit. 1890 treten sie letztmals auf, als zum „Volksfest mit Jahrmarkt in Zipfelkapphausen“ eingeladen wird. 1892 dann die Aufführung der „Altweibermühle“ und der Rathausbrand.

Im Kreativ-Atelier der stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Bärbel Schmider entstanden die beiden eindrucksvollen Tiergestalten mit ihrem Körper aus Holzgestell, Draht, einem ganzen Korb voll mit Zeitungspapierschnitzeln und einem Eimer Kleister. Mit Hingabe wurden die Körper  modelliert, die filigranen Straußenfedern geformt, der Elefant wurde zusätzlich mit Sackleinen überzogen,bevor grundiert und bemalt werden konnte. Einige der Mitglieder der Kreativ-Gruppe  hatten schon früher mit der Modellierung von „Nanas“, den berühmten Figuren von Niki de Saint Phalle Erfahrungen gesammelt, die sie jetzt bei den Tierfiguren einbringen konnten, andere machten erste Versuche mit Papier, Kleister und Acrylfarbe. Aber Freude hat es allen gemacht.


Wiederhören genialer Schnurren

Die Schnurranten

Schnurrantenecke in der Ausstellung „S’ goht degege“ im Schloss 

Wolfach (die). „Wir kommen wieder“ lautet eine der häufigsten Abschiedsworte, die Besucher der Sonderausstellung „S’ goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet“ äußern. Immer wieder hören die Ausstellungsbetreuer vom Verein „Kultur im Schloss Wolfach“ nicht nur viel Lob für die Zusammenstellung der Exponate, sie erleben auch die Begeisterung der Gäste, die sich oder Freunde und Verwandte  auf vielen Bildern oder in den Filmen wieder erkennen. Freudentränen in den Augen hatte Ursula Bernauer, nachdem sie den Scharfenberg-Film von 1963 über die Altweibermühle gesehen hatte. Sie hatte als 26-Jährige mit Bernhard Sartory eine der tragenden Rollen beim Mühlenspiel gesungen.

Zu den Highlights der Ausstellung gehört das sogenannte Schnurranten-Labyrinth-Kabinett mit den Audio-Stationen, wo die Besucher zwölf verschiedene Schnurren legendärer aber auch noch aktiver Schnurranten hören können. Außerdem haben die Schnurranten ihre Utensilien und Verkleidungen aus verschiedenen Jahren in die Ausstellung gebracht. Ein Abstinenzler mit typischem Frack und Zylinder ist umgeben vom geschmückten Fensterrahmen der Mauerblüme, dem Motorrad der Segerei, den Klamotten der Dominos, der Fahne des Carleclubs und vielen anderen Schnurranten-Ausstattungen, den Schnurren selbst und vielen, vielen Fotos. Auf der Wand dazwischen Spottverse der Schnurranten, beispielsweise jenem aus dem Moser-Wahljahr 2000, als die Feminine Truppe frech reimte: „Grüß Gott du schöner Maien, der Moser isch am Keien.“ „Gekeit“ ist der Bürgermeister aber nicht, er wird bekanntlich demnächst nach fast drei Amtsperioden mit allem drum und dran (Großer Zapfenstreich) verabschiedet.

Auf die Vorbereitung für den großen Schnurrsonntag weist die Wand mit dem Schattenriss eines Schnurranten hin, der grübelt und grübelt, vor ihm auf dem (realen) Tisch, das „Schnurrantenfutter“,  bestehend aus Gummibärle, Schokolade, Chips, Salzstengele, Bier und Wein, unter ihm der gefüllte Papierkorb mit den zerknüllten Fetzen und damit verworfenem Schnurrstoff. Ein typischer Blick eben hinter die Kulissen. Klar, dass sich die Besucherkinder über Gummibärle und Schokolade freuen und zugreifen.

Stimmungsvolles Licht für den Wohlauf

Das Wohlaufbett

Kleiner Skandal um Mädchen im Bett des Wohlaufsängers

Wolfach (die). Zu den schönsten Fasnetsumzügen der Freien Narrenzunft Wolfach gehört ohne jeden Zweifel der Wohlauf, das historische Narrenwecken am frühen Morgen des Schellenmendigs. Diesem Höhepunkt der Wolfacher Straßenfasnet ist eine besondere Ecke in der Sonderausstellung „S’goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet“ im Museum gewidmet.

Das altehrwürdige Bett des Wohlaufsängers, das bis 1990 treue Dienste geleistet hatte, gehört zum Exponatenbestand des Museums. Hubert Kiefer hat die Wohlauf-Ecke besonders liebe- und stimmungsvoll gestaltet. Der Sohn von Wilhelm und Emma Kiefer, die seit Jahrzehnten alljährlich das Bett für den Wohlaufsänger herrichten, hat über das Bett die seit 1935 obligatorischen Stalllaternen gehängt, die einen zauberhaften Schatten an die Wand werfen. Mit Traud Carosi, zu deren Familie der große Wohlaufsänger Rudolf Blattner zählt, hat er historische und aktuelle Fotos für das große Wohlaufbild zusammengestellt. Kiefer legte großen Wert auch auf ein kleines Bild mit den Fotos des amtierenden Wohlaufsängers Roland Schamm und dessen Vorgänger Walter Schmider, Rudolf Blattner und Albert Schmider.

Im historischen Bett sind drei der Marionetten, die beim Zunftabend 1997 einen großen Wohlaufauftritt beim Marionettenspiel hatten. Christian Keller hatte damals die Idee für diese  originelle Darstellung. Köpfe und Hände der Marionetten schnitzte Holzbildhauer Daniel Schrempp, die Marionettenspielerinnen nähten die Nachthemden und Nachtmützen, strickten Socken, Fäustlinge und Schals,  Hubert Kiefer schnitzte die Krachinstrumente, Christian Keller baute die Mini-Laternen. Diese Gemeinschaftsarbeit fand damals riesigen Anklang.

Um das historische Bett rankt sich aber auch eine kleine Skandalgeschichte. In früheren Jahrzehnten, als die Hanseleschar noch nicht gerade üppig groß war, pflegten die Wolfacher Narrenzünftler ihren Wohlauf auch bei Narrentreffen auswärts aufzuführen, am helllichten Tag natürlich und während des Festzugs in der gastgebenden Stadt. So auch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Bischofsstadt Rottenburg am Neckar. Und dort passierte es: Im Bett des Wohlaufsängers landeten Mädchen aus den Zuschauerreihen. O jerum! Der sang damals auch noch den heute verpönten Text „Im Namen des Herren Entechrist.“ Darüber hat sich wer gehörig echauffiert? Seine Exzellenz, der Bischof höchstpersönlich. Den Wolfacher Narrenzünftlern wurde daraufhin gehörig der Kopf gewaschen. Heute zeigen sie den Wohlauf nicht mehr auswärts, der Entechrist wird nur noch heimlich gesungen und die Mädchen landen beim Festzug in der Altweibermühle der Alden Rungunkeln und Müller. Dort passiert ihnen genauso wenig wie einst im Bett des Wohlaufsängers. Nämlich nix.


Kostbares Filmdokument begeistert Besucher

Der Kleiekotzer

Wolfacher spielten sich in der „Altweibermühle“ selbst

Wolfach (die). Mit dem Spielfilm des Baden-Badener Regisseurs Horst Scharfenberg aus den frühen 60er Jahren „Die Altweibermühle“ besitzt Wolfach ein kostbares Filmdokument, das in der Ausstellung „S’ goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet“ im Schloss-Museum gezeigt wird. Vor allem die älteren Besucher erkennen die Darsteller.

„Des isch doch d’ Käs mit de Bäs“ und „des junge Mädle isch d’ Monika von s’ Daniels“, hören die Museumsbetreuer vom Verein „Kultur im Schloss“, wenn der Film in der Flößerstube gezeigt wird. Der Südwestfunk hatte für die damaligen Filmaufnahmen im Schlosshof eine riesige Rungunkelmaske als Kleiekotzer und ein großes Mühlrad gebaut, an dem der damalige Liederkranzsänger Erwin Engler als Müllermeister heftig drehte. Kleiekotzer und Mühlrad sind in der Ausstellung ebenso zu sehen, wie zahlreiche Aufführungsfotos und die kostbaren Originaldokumente des Mühlenspiels aus dem 19. Jahrhundert.

Zur Erinnerung: Das Festspiel „Die Altweibermühle von Trippstrill“ war seit 1892 (Rathausbrand) nicht mehr in Wolfach aufgeführt worden und Josef Krausbeck arbeitete unermüdlich dafür, dass Bredelins Spiel wieder in das Repertoire der Narrenzunft aufgenommen wurde. Aber es sollte bis 1973 dauern, ehe sein Wunsch in Erfüllung ging, Aber 1962, als Scharfenberg seinen Spielfilm in Wolfach drehte, wurde das alte Mühlenspiel in ein paar Szenen, bearbeitet von Glasmaler Georg Straub, aufgenommen. Die damals 20-jährige Monika Daniel spielte mit Horst Scharfenberg die Hauptrolle, Olga Schillinger und Ursula Bernauer verkörperten die schönen jungen Mädchen, die der Kleiekotzer auswarf, der damalige Adlerwirt Karl-Heinz Wetzel eine schreckliche Alte, Bernhard „Fix“ Sartory einen unzufriedenen Ehemann.

Aber nicht nur die Mühle im Schlosshof, auch der „Hechten“ war Drehort. Dort versammelte sich am Abend vor dem Schellenmendig alles, was Rang und Namen hatte, um zu feiern: Kaffeetanten, Schnurranten („Dick und Doof“, die Musiker von der Kapelle Belli, Narrenvater Erich Steinhauser sen und seine Narrenräte. Sie alle machten angeblich durch bis zum Wohlauf (wer’s glaubt!), damals von Rudolf Blattner gesungen.

Überraschenden Besuch verzeichneten die Museumsbetreuer von „Kultur im Schloss Wolfach“ am Samstag vor dem dritten Advent. Mit Andreas Dangel aus Riedlingen kam ein Mitglied des Präsidium der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) ins Schloss. Der Musikdirektor der Stadtkapelle Bräunlingen ist Musikbeauftragter der Vereinigung. Er zeigte sich beeindruckt von der Ausstellung und wollte unbedingt das Sammler-Festabzeichen und das Festabzeichen für die Festspieltage der Freien Narrenzunft Wolfach mit nach Hause nehmen. Eine Museumsbetreuerin ermöglichte ihm den Wunsch.

Museumsbesucher dürfen entscheiden

Die Wolftallerchen (2013)

Abstimmung über „Best-of“- Zunftabend 2015 in der Ausstellung

Wolfach (die). Traditionell beginnen Schnurranten und Zunftabend-Macher nach den Weihnachtsfeiertagen mit den Vorbereitungen für das große Schnurren und für den Zunftabend. Das Zunftabend-Team der Freien Narrenzunft Wolfach hat sich für den Zunftabend 2015 (Freitag, 6. Februar), für ein Best-of-Programm entschieden, bei dem Höhepunkte aus den Programmen der Jahre 1997 bis 2014 gezeigt werden sollen. Über die Auswahl aber dürfen die Besucher der Ausstellung „S’ goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet“ im Museum im Fürstenberger Schloss entscheiden.

Vor dem Eingang zur Mini-Bar  hat die Zunftabend-Abstimmungsecke ihren Platz gefunden. Mit Fotos und Videos, die auf einem Bildschirm abgerufen werden, können sich die Besucher an die Höhepunkte der Zunftabende erinnern und dann auf den vorbereiteten Abstimmungsformularen ihre drei Lieblingsszenen notieren. Der gefaltete Wahlzettel wandert in die danebenstehende durchsichtige Urne. Natürlich ist die Wahl geheim. Niemand muss sich namentlich zu seiner Auswahl  bekennen.

Das Zunftabend-Quartett Bernhard Stelzer, Bernd „Erli“ Schillinger, Christian „Obi“ Oberfell undS Jochen Huber ( Kürzel BBC & Jo) hoffen auf eine rege Teilnahme der Museumsbesucher. Sie sind gespannt, welche „Kracher“ es auf die Bestenliste bringen. Zur Auswahl stehen beispielsweise das Thema „Kindermund“ aus dem Jahre 1997, „Kasperletheater“ mit dem glänzend agierenden Erli Bernd Schillinger von 2002, „Wolfach sucht den Super-Narr“ von 2004, über das „Traumfloß“ von 2010, oder das „Regionenspiel“ mit den singenden Tanzbären Sina, Eichi und Joe von 2012, oder „Narry 2013 („Eine Frage der Ehre“) mit den umwerfenden „Wolftallerchen“ Joe, Christof und Roland,  oder aber  die närrische Zeitreise „Mit Vollgas in die Vergangenheit“ mit dem Jodelvideo der Bürgermeister Moser und Nowak.

Lärvle, Röslespritz’ und faule Ausreden

Die Abzeichen

Eindrucksvolle Dokumentation der Wolfacher Fasnetsabzeichen im Museum

Wolfach (die). In der Ausstellung „S’ goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet“ zeigt der Verein Kultur im Schloss Wolfach im Museum auch eine eindrucksvolle Dokumentation der Wolfacher Fasnetsabzeichen und eine Auswahl der mehr oder minder faulen Ausreden, die sich die Abzeichenverkäufer von unwilligen Ansprechpartnern anhören müssen.

Die Vitrine mit den Fasnetsabzeichen in der Nische neben dem Narrogeist-besetzten Hungerturm hat der Wolfacher Erznarr Hubert Kiefer gestaltet. Aus seiner eigenen Sammlung hat er den Großteil der Fasnetsabzeichen beigesteuert, einige wenige hat er leihen können. Während die meisten Abzeichen, die seit 1949 für die Wolfacher Fasnet hergestellt wurden, auch den entsprechenden Jahren zugeordnet werden können, ist es bei den ganz alten Abzeichen, die vor dem Jahr 1939 zu datieren sind, wesentlich schwieriger. Aber Hubert Kiefer trägt Puzzle-Teil um Puzzle-Teil zusammen, um sie richtig zuordnen zu können. Dies gilt auch für die Stoff-Abzeichen, die zu den Raritäten in der Vitrine gezählt werden dürfen.

Der Betrachter kann eine Brücke schlagen von einem der ältesten Abzeichen, einer Wolfsangel mit einem Lärvle (vor 1939), bis zum neuesten Sammler-Abzeichen für die kommenden Festspieltage 2015, das ebenfalls aus einer Wolfsangel besteht, aber mit einer Hanselekapp’ verziert ist.

Ob aus Holz, Zinn, Kupfer, Alu, Kunstleder, Karton, Stoff oder aus Plastik: die Festabzeichen spiegeln das bunte Bild der Wolfacher Fasnet in den vergangenen Jahrzehnten wider. Sie zeigen entweder typische Fasnetsutensilien wie Lärvle, Rungunkel-Kochlöffel, Hanselepritsch’, Röslespritz’, Hanseleschellen, Mühlrad oder Mehlwurmbeutel, sie weisen auf Jubiläen verschiedener Gruppen hin, wie der Narrenpolizist, oder sie erinnern an Festspielthemen, an Brunnenjubiläen oder an andere bedeutsame Ereignisse. So gab die Narrenzunft 2001 zur Einführung des Euro die Währung  „1 Narro“ als Abzeichen heraus. Aus der Sammlung ragen auch, in Versalien geprägt, die sieben Buchstaben „WOLFACH“ heraus, die als einzelne Abzeichen in der 1980er Jahren verkauft worden waren.

Witzig, an was sich die Ausstellungsmacher vom Kultur im Schloss erinnerten, als es um die Gestaltung der Schattenriss-Tafel hinter der Vitrine mit den Festabzeichen ging. Dort wurden die mehr oder weniger originellen, aber meist faulen Ausreden notiert, mit denen begründet wurden, warum Mann oder Frau kein Abzeichen kaufen will. „Isch blöd“, „Komm grad vom Doktor“,  „Hab’s vergesse“, Isch am andere Kittel“, „Guck gar nicht zu“. Dabei ist die Freie Narrenzunft Wolfach auf die Einnahmen aus dem Abzeichenverkauf dringend angewiesen. Ohne sie könnte die Organisation der Wolfacher Fasnet nicht finanziert werden.

Die Freie Narrenzunft bietet Interessenten verschiedene alte Abzeichen zum Kauf an. Sie können in der Änderungsschneiderei von Rita Risch, Ecke Vorstadtstraße/Kirchstraße, oder über die Homepage der Freien Narrenzunft Wolfach (www.narro-wolfach.de) online im „Lädele“ geordert werden. Die neuen Festabzeichen für die Festspieltage gibt es in der Buchhandlung Carosi in der Vorstadt, in der OT-Geschäftsstelle in der Hauptstraße, bei der Tourist-Info im Rathaus und im Museum im Schloss.

Närrische Kissen und verrückte Kostüme

Die Nähstube

Farbenprächtige Nähstube in der Ausstellung „S’ goht degege – Hinter den Kulissen der Wolfacher Fasnet“

Wolfach (die). Besucher, die nach dem Film-Tunnel den roten Vorhang beiseite schieben, staunen erst einmal über die Farbenpracht, die sich in der Nähstube bietet. Der Blick hinter die Kulissen der Wolfacher Fasnet, Motto der Sonderausstellung des Vereins Kultur im Schloss Wolfach zum Jubiläum der Freien Narrenzunft, richtet sich auf auf eine kunterbunte Vielfalt an Kostümen, Narren-Kleider und Häser und auf verrückte Hut-Kreationen.

Die Nähstube ist eine gigantische Gemeinschaftsleistung der Gruppe Näh-Art, die sich unter der Leitung von Heidi Oberfell auf die Ausstellung vorbereitet hat. In Oberfells „Atelier“ am Mühlengrün entstanden so vier wunderschöne Kissen à la Rungunkel, Schellenhansel, Röslehansel und  Spättlehansel, eine Patchwork-Wandbespannung aus Peterstoffen, die roten Vorhänge zum Eingang und Ausgang des Museums und zur Minibar. Außerdem haben die Näherinnen den Kasper eingekleidet, der in der Kinderecke aus der Tonne gezogen werden kann.

Als die Ausstellung aufgebaut wurde, haben die Näherinnen das Atelier kurzerhand ins Museum verlegt, Saben die inzwischen eingegangen Exponate gesichtet und peu à peu die Nähstube mit Schneiderpuppe, Nähtisch und Nähmaschine, Kleiderstangen und Hutablagen arrangiert. „Langes Fädchen, faules Mädchen“, wer hat im Handarbeitsunterricht nicht solche und andere gut gemeinten Sprüche gehört? Sie zieren jetzt die Wand mit dem Schattenriss der Schneiderpuppe. Schneidermeisterin Leni Fehrenbacher hat aus ihrem Atelier zahlreiche Exponate beigesteuert.

Auf dem Glaspodest über den Ausgrabungsresten hat die Nasen-Schnitzwerkstatt von Hubert Kiefer mit den Schnitzwerkzeugen Platz gefunden. Davor wird die „Saublodere“- Produktion auf Fotos gezeigt und an der Wand neben dem Eingang hat das Narrenblättle mit der historischen Drehorgel den Ausstellungs-Stammplatz.